Ankunft in Chennai

Nach dem Vorbereitungsseminar und dem Entsendungsgottesdienst meiner Organisation, des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen, ging es dann auch endlich los in die weite Ferne. Ich hatte ehrlich gesagt wenig und eher unkonkrete Erwartungen an Indien, ich wollte alles einfach auf mich zukommen lassen.

Meine Reise begann mitten in der Nacht am Flughafen in Chennai. Als ich Richtung Ausgang ging war mein erster Eindruck die drückende Hitze und die Masse von Menschen. Es war schwer, meinen Taxifahrer in diesem Chaos zu finden, aber zum Glück hielt er ein Schild mit dem Namen “ICSA“, meiner Unterkunft, in der Hand.

Während der Fahrt fiel mir besonders auf, dass mein Taxifahrer ununterbrochen gehupt hatte. Für deutsche Verhältnisse ist der Fahrstil der Inder sehr gewöhnungsbedürftig. Denn hier gilt: Wer die lauteste Hupe besitzt hat Vorfahrt. Für Fußgänger ist dies natürlich nicht gerade angenehm! Ebenfalls aufregend war, dass mein Taxi einen penetrant lauten Feuerwehrwagen überholt hatte, was in Deutschland natürlich so unmöglich wäre.

Unsere Unterkunft
Janna und Ich in IndienUntergebracht wurden wir Freiwilligen im ICSA, in dem wir auch unsere Einführungstage mit Pastor Andreas Gross verbracht haben. Wir hatten ein strammes, aber auch sehr interessantes Programm. Zum Beispiel haben wir uns Vorträge über die Rolle der Frau in Indien angehört und uns mit den verschiedenen Religionen, z.B. dem Hinduismus, auseinander gesetzt. Außerdem sahen wir uns einige Tempel in Chennai an und indisch gegessen haben wir natürlich auch.

Ich war überwältigt von Chennai. Es ist eine riesige Stadt mit meines Erachtens vielen positiven, als auch negativen Seiten. Besonders fielen mir die sozialen Disparitäten auf, die in dieser 6,5 Millionen Stadt herrschen. Auf der einen Seite leben die reichen Inder in fünf-Sterne-Hotels und auf der anderen Seite schlafen Bettler auf der Straße. Es war für mich nicht so einfach, das zusammen zu bekommen. Trotz alledem waren die ersten Tage in Indien herrlich.

In den ersten Momenten meines “neuen Lebens“ habe ich mir ab und zu die Frage gestellt, ob das überhaupt richtig war, diese Entscheidung für Indien getroffen zu haben. War es sinnvoll, was ich hier mache? Zum Glück ging es nicht nur mir so, sondern auch die anderen Freiwilligen (ich kam zusammen mit sechs weiteren Freiwilligen nach Indien) waren irritiert, aber wir haben uns zusammen Mut zugesprochen. In Chennai erwartete mich ein völlig anderes Leben, eine neue Kultur, viel Lärm und Hitze und fremde Gerüche. In meinem Kopf ging es drunter und drüber.