die Arbeit im Kindergarten

Nachdem ich wieder genesen war, ging es dann mit einer überfüllten Autorikscha in den ersten Kindergarten “Anbumala“. Im ersten Monat habe ich dann in diesem Kindergarten mit ca. 40 Kindern von drei bis fünf Jahren gearbeitet. Montags bis Freitags von 10:00 bis 16:00 Uhr hatten wir unsere Kernzeiten.

Nachdem die Kinder von ihren Eltern gebracht werden, bekommen sie eine Uniform angezogen, die Mädchen meistens ein Kleidchen, die Jungen Hose und Hemd. Danach werden einige christliche Lieder mit Bewegungen und instrumentaler Begleitung gesungen. Auffällig ist, dass die Kinder im Kindergarten viel auswendig lernen müssen, besonders Bibelverse werden abgefragt. Es ist sehr deutlich, dass meine Projektstelle in einem christlichen Kontext eingebunden ist und dass Frömmigkeit einen Wert an sich darstellt. Schon im Kindergarten lernen die Kinder biblische Geschichten auswendig und es wird viel gebetet.

Nach dem Singen bekommen die Kinder Brei zum Trinken. Haben sie ausgetrunken, geht es auf die Toilette bzw. in den Busch, denn die meisten Kindergärten haben keine richtige Toilette. Und haben sie doch eine, so wird diese auch nicht von allen Kindern genutzt, weil sie Toiletten von zu Hause nicht kennen.

Danach werden die Kinder in “smaler section“ und in “bigger section“ eingeteilt. Die jüngeren Kinder spielen oder basteln etwas, die älteren lernen Buchstaben und Zahlen. Janna und ich haben schon so einige Aktionen gestartet: Wir haben ein deutsches Lied mit den Kinder eingeübt, die kleine Raupe Nimmersatt aufgemalt und erzählt oder „Ente, Ente, Gans“ gespielt, was sowohl bei den Kindern, als auch bei den Erzieherinnen sehr gut ankam.

Nach der Gruppenphase gibt es Mittagessen, jeden Tag Reis mit Gemüse, Fisch, Hähnchen oder anderen Beilagen! Die Kinder essen mit der Hand, was sie im Gegensatz zu mir besonders gut können. Einige jüngere müssen noch gefüttert werden. Danach ist Zeit für einen zweistündigen Mittagsschlaf eingeplant. Was mich ein wenig befremdet hat ist, dass die Kinder auf einem harten Betonboden essen und auch schlafen … Nachmittags, kurz bevor die Kinder nach Hause gehen, bekommen sie noch eine Kleinigkeit zum Essen.

Zusammenfassend bestanden meine Aufgaben im Kindergarten darin, den Kindern zunächst die Uniform anzuziehen, ihnen etwas zu essen zu geben, mit ihnen Innen- und Außenaktivitäten zu machen, mit ihnen zu tanzen und zu singen oder sie nach dem Mittagessen schlafen zu legen.

Mein erster Eindruck war für mich etwas erschreckend. Alle Kinder liefen durcheinander, es gab keine Disziplin, wie ich es von den Kindergärten in Deutschland kenne. Im Prinzip ist die Aufgabenverteilung unter den Erzieherinnen und Helferinnen klar (es waren bis zu 5 Erzieherinnen im Kindergarten), trotzdem haben sie diese nicht immer umgesetzt. Alles erschien mir zu Beginn chaotisch und willkürlich und mir wurden keine konkreten Aufgaben zugeteilt. Im Gegenteil, ich wurde eher wie eine „Prinzessin“ behandelt, was mir das Gefühl gab, nicht wirklich Teil der Gemeinschaft zu sein. Es war das komplette Gegenteil von meinen letzten Sri Lanka Reisen.

Diese Sonderrolle, die mir zugedacht wurde, machte sich z.B. daran fest, dass mir das Geschirr, das ich abwaschen wollte, sofort aus der Hand genommen wurde. Das war für mich befremdend. Nach einer gewissen Zeit habe ich gelernt, mir selbst Aufgaben zu suchen und diese auch irgendwie durchzusetzen, auch wenn es für meine indischen Kolleginnen ungewöhnlich war, eine Europäerin Geschirr abwaschen zu sehen.