Tagesablauf eines indischen Kindes

Der Tagesablauf der Mädchen des Kinderheims ist ziemlich voll gepackt, vor allem mit Pflichten. Um einen Einblick zu bekommen, will ich den Tagesablauf der Kinder schildern:

Um 05:00 Uhr morgens wird aufgestanden, dann waschen die Kinder sich, ziehen die Schuluniform an, kämmen die Haare und bis zum “Morning prayer“ um 08:30 Uhr wird gelernt. Das tägliche Morgengebet beinhaltet ein Lied, eine Tageslosung, ein langes Gebet (wird meistens vom Personal gebetet) und das Vaterunser mit anschließendem kurzen Lied.

Danach geht es für die 250 Schüler in die verschiedenen Schulen (Primaryschool, Middle School und High School). Der Unterricht endet unterschiedlich, aber die meisten Schüler kommen nicht vor 16:00 Uhr nachmittags nach Hause.

Dann ist Putzen angesagt, jedes Kind hat seine eigene Aufgabe. Die einen fegen den Boden, die anderen hängen die frisch gewaschene Wäsche auf. Sind sie fertig mit ihren Pflichten, wird gelernt. Die Schüler der Primaryschool haben allerdings meistens freie Zeit. Gegen 19:00 Uhr ist wieder ein Prayer bzw. eine Bibelstunde. Zuerst werden ein paar Lieder mit instrumentaler Begleitung gesungen und danach wird von einer Frau des Personals eine biblische Geschichte erzählt.

Am Ende folgt noch einmal ein langes Gebet. Dazu werden die 250 Mädchen in Jüngere und Ältere aufgeteilt. Abendessen ist dann meistens danach und gegen 23:00 Uhr gehen die Mädchen ins Bett (die meisten haben bloß einfache Kinderbetten). Haben die Kinder Ferien, fahren fast alle nach Hause zu den Familien. Manche leben außerhalb von Mayiladuthurai und müssen weit fahren, aber die meisten Kinder leben in der Nähe oder direkt in Mayiladuthurai.

Samstag ist der Tag, an dem das ganze Heim gesäubert wird. Auch hier hat jedes Kind eine Aufgabe! Gegen Nachmittag spielen die Kinder, oder Janna und ich machen eine Freizeit-Aktion mit ihnen. Am Sonntag gehen alle zusammen gegen 08:30 Uhr in die Kirche und danach singen oder beten die Mädchen im Heim. Der Gottesdienst dauert ca. 1 ½ Stunden. Was für mich eine neue Erfahrung war ist, dass der Gottesdienst mit einem Megafon übertragen wird. Das machen hier alle Gemeinden so, egal ob Muslime, Hinduisten oder Christen. Mein westliches Gemüt sagt, dass das die Toleranzgrenze fast überschreitet, denn nicht jeder möchte um 05:00 Uhr morgens von Gebeten der Muslime geweckt werden.