Zusammenfassung – Die erste Hälfte meines Indien-Jahres

Das erste halbe Jahr meines Indien-Aufenthalts ging insgesamt betrachtet schnell vorbei. Es hat eine Weile gedauert bis ich mich eingelebt habe, aber nach ca. drei Monaten fand ich meinen indischen Lebensrhythmus. Ich habe mich zunehmend mehr der indischen Lebensart angepasst, trug Sari oder Chudida und bemalte meine Hände mit Henna.

Eine neue Herausforderung war für mich die Zeit des Monsuns von November bis Februar. Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass es so viel regnen kann. In diesem Jahr hat es Südostindien besonders getroffen, denn ein Zyklon fegte über uns hinweg. Alles war überschwemmt, leider auch mein Zimmer. Zusammen mit Janna musste ich in ein anderes Zimmer ziehen, welches ein wenig regensicherer war und dann schimmelten unsere Klamotten auch nicht mehr. Fünf Tage waren wir von der Außenwelt abgeschnitten, es fuhren keine Busse mehr und die Schule war geschlossen. Eine geschenkte Zeit, die wir mit den Kindern gut zum Zusammensein nutzen konnten.

Von einem Ereignis ging es zum nächsten, es nahte die Weihnachtszeit. Im November wurden die Kinderlieder durch Weihnachtslieder ersetzt und das Krippenspiel musste eingeübt werden. Janna und ich haben für das ganze Heim und für die Kindergärten Plätzchen gebacken und nebenbei wurden wir zu vielen Weihnachtsfeiern eingeladen, bei denen wir natürlich nicht fehlen durften. Aus meiner Sicht war es eine stressige, aber auch aufregende Zeit. Auf der einen Seite fand ich es schade, dass ich Heiligabend nicht mit den Kindern und Kolleginnen meines Heims gefeiert habe, auf der anderen Seite habe ich ein sehr schönes Weihnachtsfest mit den anderen Freiwilligen in Chennai verbracht, welches mit einem deutschen Gottesdienst begann.

Direkt nach den Festivitäten ging der mit Spannung erwartete Urlaub durch Südindien los. Es war ein wunderschöner Urlaub und ich denke, jedem von uns Freiwilligen hat diese Pause sehr gut getan, nämlich wieder in die bekannte Welt einzutauchen, in der es auch wieder das ab und zu beliebte Fast Food gab und eben nicht ausschließlich Reis. Wir genossen es einfach, ungestört im Bikini am schönen Strand liegen zu können. Ich habe während der Reise festgestellt, dass Indien ein äußerst vielfältiges Land ist und sehr viel Reizvolles zu bieten hat. Jeder Staat hat eine besondere Ausprägung und seinen eigenen Stil.

Für mich war es ab und zu wichtig, dem indischen Alltag, aus Mayiladuthurai entfliehen zu können und etwas anderes zu sehen. Es tat z. B. gut, in den Supermarkt um die Ecke zu gehen oder einfach ein bisschen in der Stadt zu bummeln. Manchmal habe ich auch etwas mit den anderen Freiwilligen unternommen und auch deren Projekte besucht. Es war entspannend, dass wir die Gelegenheit hatten, insbesondere durch die Angebote von Andreas Bieber und Andreas Groß, aus dem “Freiwilligen Leben“ für kurze Zeit auszutreten.

Am Ende des ersten halben Jahres nahm ich an einem Zwischenseminar mit 15 anderen Freiwilligen des Weltwärts-Programms teil. Ich bekam die Möglichkeit zu reflektieren und zu diskutieren, um Problemlösungsstrategien und neue Ideen und Herangehensweisen für die folgende Zeit zu entwickeln. Das Zwischenseminar war für uns alle eine gute Gelegenheit des gegenseitigen Austausches. Einige hatten Probleme mit ihrer Entsenderorganisation und fühlten sich nicht besonders gut begleitet von den entsprechenden Verantwortlichen. Unsere Erfahrung ist, dass man besonders zu Beginn viel Unterstützung benötigt.

Ich war während des Aufenthaltes sehr zufrieden mit meiner Organisation und hatte kaum Beschwerden, so dass ich das Problem der Anderen nicht teilen konnte. Außerdem hatte ich mit Ute Penzel des Leipziger Missionswerkes immer eine Ansprechpartnerin, die meine Einsatzstelle sehr gut kennt.